S’il vous plaît…

November 23, 2006 on 8:24 pm | In Welt | No Comments

Klartext statt Redeverbote,

die SVP geht wieder richtig zur Sache. Die Bürger wollen, und Blocher rettet die Welt, und die Politik fällt nur über ihn her (es sei betont: allen voran die SP!).

Wir sind alle froh, dass es Blocher beim Namen nennt. Und wir alle freuen uns, dass er die Schweiz vor dem Untergang rettet. Mit anderen Worten: Was soll so ein Inserat, und woher kommt der Begriff “politisch korrekt”?

Gibt es eigentlich auch etwas, das die SVP kann?

Post aus Teheran

Mai 15, 2006 on 7:02 pm | In Welt | No Comments

Nenne es, lieber Leser, wie du willst, oder nennen Sie es, wie Sie wollen: Kritisieren, verleumden, herziehen, nörgeln, maulen, an den Karren pinkeln. Zurückhalten will ich mich im heutigen Post in jeder einzelnen dieser Disziplinen. Tatsache ist, dass Herr Präsident George W. Bush Post aus Teheran bekommen hat. Und zwar von niemand geringerem als Herrn Mahmud Ahmadinejad, dem Präsidenten der Islamischen Republik Iran.

“Seit einiger Zeit überlege ich, wie man die unbestreitbaren Widersprüche in der internationalen Politik rechtfertigen kann, die in politischen Gremien und in der Öffentlichkeit diskutiert werden. Viele Fragen bleiben unbeantwortet. Dies hat mich veranlasst, einige der Widersprüche und Fragen anzusprechen, in der Hoffnung, auf diese Weise zu einer Lösung beitragen zu können.

Kann man an Jesus Christus (Friede mit ihm) glauben, den grossen Gesandten Gottes, die Achtung der Menschenrechte einfordern, den Liberalismus als universales Modell präsentieren, die Weiterverbreitung von Atomwaffen und Massenvernichtungswaffen ablehnen, den ‘Krieg gegen den Terrorismus’ propagieren und auf die Errichtung einer internationalen Gemeinschaft hinarbeiten, in der Christus und die Rechtschaffenen dereinst herrschen werden, und gleichzeitig Krieg gegen andere Länder führen, Leben und Eigentum von Menschen zerstören und auf den blossen Verdacht, dass sich in einem Dorf, einer Stadt, einem Konvoi einige Verbrecher aufhalten, das ganze Dorf, die ganze Stadt oder den ganzen Konvoi bombardieren?”
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“NZZ am Sonntag”, 14. Mai 2006, Seite 28

Der gesamte Brief füllt eine komplette Doppelseite der gestrigen “NZZ am Sonntag”, und dies mit verkleinerter Schrift.

Mir fällt auf, dass Herr Präsident Ahmadinejad den Herrn Präsidenten Bush sehr respektvoll anspricht, in einem Ton schreibt, der Konstruktives vermuten lässt sowie sehr oft auf den einen allmächtigen Gott sowie Jesus Christus hinweist.

Eine englische Übersetzung des Briefes habe ich für alle Nicht-Abonnenten auf den Telepolis-Webseiten des Heise-Verlages gefunden.

Die Diskussion ist offen.

Todesstrafe?

Februar 18, 2006 on 10:19 pm | In Welt | 7 Comments

Zum Wochenende ein wenig Politik: Obwohl die Tookie-Debatte nicht mehr ganz aktuell ist, bin ich erst heute auf eine durchaus nicht uninteressante Grundsatzdiskussion über die Todesstrafe gestossen. Anhand des Story des geläuterten Mörders “Tookie” entflammt erneut eine hitzige Diskussion um ein ewiges Thema.

Argumente liefern beide Seiten: Die Gegner meinen polemisch, in einem zivilisierten Land gebe es keine Todesstrafe und die Todesstrafe sei peinlich oder argumentieren, der Staat zeige den Bürgern, Gewalt untereinander sei wirkungsvoll und ein legitimes Mittel.

Die Befürworter führen als Argument die Opfer ins Feld: Schliesslich seien auch sie nicht gefragt worden, ob sie sterben wollen und somit wäre es nichts als gerecht, auch den Mörder zu exekutieren. Mutige Stimmen sagen, ein Mörder verdiene keinerlei Mitleid, sondern nur Verachtung.

Die Vereinigten Staaten als Staat bezeichnen sich gerne als Christen. Stellen wir doch nun zur Abwechslung statt Kleiderordnung und Sexualkundeunterricht die Todesstrafenfrage auf einen christlichen Sockel: Es steht “Auge um Auge, Zahn um Zahn” (2. Mose 21, 24) gegen “Liebet eure Feinde” (Matthäus 5, 44) und “Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein” (Johannes 8, 7).

Nun, weiter wird auch gesagt, nur Gott gebe Leben, also dürfe folglich nur er es auch wieder nehmen. Tönt logisch. Die Todesstrafe hingegen löscht gezielt auf menschlichen Befehl hin Leben aus. Stellt sich der Verantwortliche auf diese Weise nicht mit Gott auf die gleiche Stufe? Darf sich ein Christ denn mit Gott auf die gleiche Stufe stellen?

Zweitens drängt sich die frage auf, welche Bibelstelle nun mehr Gewicht habe: Das Mose-Buch oder das Matthäusevangelium? Zitieren wir zur Beantwortung kommentarlos den kompletten Matthäus-Vers mit dem vorherigen sowie den Kontext des Johannesverses: “Ihr habt gehört, daß gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde; segnet, die euch fluchen; tut wohl denen, die euch hassen; bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen.”, “Meister, dies Weib ist ergriffen auf frischer Tat im Ehebruch. Mose aber hat uns im Gesetz geboten, solche zu steinigen; was sagst du? … Als sie nun anhielten, ihn zu fragen, richtete er sich auf und sprach zu ihnen: Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie.”

Für mich ist die Frage eindeutig geklärt. Am nächsten Sonntag ein eindeutiges Nein zur Todesstrafe in die imaginäre Urne.

Zur Klärung: Dieser Post ist wohl unübersehbar christlich geprägt. Dies ist nicht nur mit meinem persönlichen Weltbild begründet, sondern viel mehr auch mit der amerikanischen (christlichen) Selbstpräsentation. Dort, wo sich die Vereinigten Staaten platzieren, sollen auch die Argumente ansetzen.

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