Ich schaffe ja mit meinem Fahrrad öfter Dinge, für die andere Leute ein Auto brauchen: Kleinere Warentransporte gehören dazu oder Auffahrunfälle. Seit heute Morgen um 00:20 darf ich noch - ich übertreibe ein wenig - Wildunfälle dazuzählen.
Nun ja, das kam so: Ganz nüchtern, will ich betonen, war ich auf dem Heimweg zwischen Hunzenschwil und Suhr. Auf dem Radweg dem Wald entlang. Wie üblich korrekt mit Licht und illegal Stöpseln in den Ohren: "Lady In Black", wenn ich mich recht erinnere.
Genau zwischen zwei Laternen sah die Welt im wahrsten Sinne des Wortes dunkel aus und meine Augen waren noch an das Licht gewöhnt. Meine Ohren lauschten den lieblichen Klängen von Uriah Heep, nahmen jedoch ein dumpfes Tappen wahr. Ich schaute genauer auf die Strecke vor mich - gut dreissig Stundenkilometer schnell werde ich gefahren sein - und bekam einen gewaltigen Schreck.
Seit langem habe ich nicht mehr so an meinen beiden Bremshebelchen gezogen wie in diesem Moment, als ich einige wenige Meter vor mir zwei Rehe über die Strasse rennen sah. Glücklicherweise kam ich knapp vor dem zweiten Reh zum stehen.
Mein Hinterrad hing noch in der Luft, ich atmete schon auf und war im Begriff, einen Fuss auf den sicheren Boden zu setzen, wurde jedoch von einem dumpfen Aufprall und einem Ruck an meinem Rad aus den Gedanken gerissen.
Ein sehr kurzer Blick hinunter zu meinem Vorderrad: Anscheinend war den beiden Rehen noch ein drittes gefolgt, das nun die Gabel geküsst hatte. Und das mit ordentlicher Geschwindigkeit. Glücklicherweise sah das Tier nicht verletzt aus: Es sprang erschrocken zurück und verschwand im Wald. Ich stand da und fluchte.
Unter der nächsten Laterne sah ich mir meinen Drahtesel an und stellte mit einem Aufatmen fest, dass er nicht in Mitleidenschaft gezogen war. Im Kunstlicht der Laterne sah ich die Haarbüschel, die an der Tacho-Halterung und der Bremse hängen geblieben waren, noch nicht. Die entdeckte ein Freund von mir heute Vormittag:
Den Jäger musste ich nicht verständigen. Kollege Pascal hat mir da schon per SMS einige Informationen geliefert (an dieser Stelle sei gedankt für den nächtlichen SMS-Einsatz). Er muss sich ja auskennen, wenn er ein rechter Reitnauer sein will... Jedoch fand er die Story ebenso lustig wie der Kantonspolizist, den ich heute Vormittag noch interviewt habe. Ein Fahrrad mit einem Reh zusammengestossen? Habe er noch nie gehört. Aber solange nichts passiert sein, müsse ich niemanden anrufen.