Ich bin bereits in die neue Regelung gefallen und habe meinen Führerschein im Dezember vorletzten Jahres bis 2009 auf Probe erhalten. Mittlerweile habe ich die beiden obligatorischen WAB-Kurse besucht. Beide Kurstage waren keineswegs überflüssig, beide hätten jedoch m.E. auch viel mehr Potential.
Wichtige Nebensachen
Unabhängig von den Kursen selbst fällt durchs Band die haarsträubende Unprofessionalität im Umgang mit den Besuchern auf. Die Neulenker werden fast durchs Band geduzt und verniedlicht und viele Publikationen in dem furchtbaren Stil verfasst, der üblicherweise in gängige Präventionskampagnen verwendet wird - mit dreizehnjährigen als Zielgruppe. Ich habe überhaupt nichts gegen die Du-Anrede, sofern sie respektvoll und gegenseitig ist. Während den Kursen war dies der Fall und sehr angenehm.
Die Moderatoren pflegten während des Kurses einen angenehmen und konstruktiven Umgang und beantworteten Fragen in der Regel (mit einzelnen Ausnahmen) kompetent. Wir wurden auch oft zu defensivem Fahren aufgerufen, jedoch mit gut untermauerten Argumenten und ohne erhobenen Zeigefinger. Wichtig wäre es allemal, immer mal wieder darauf gestossen zu werden...
Nicht gerade förderlich war allerdings die Mittagspause am zweiten Kurstag, während der sich drei der Moderatoren lautstark über "abzockerische" Radarkontrollen und unfähige blonde Polizisten ausliessen (natürlich ohne zu vergessen, die eigenen Fahrfähigkeiten aufs äusserste zu loben). Die Szene war köstlich (selbstverständlich mit der stilechten Faust auf dem Tisch), nur hätten es nicht unbedingt Kursmoderatoren und Fahrlehrer sein sollen sondern eher gewöhnliche Boulevardblattleser und nur-Selbstfahrer. Dann wäre es wirklich lustig gewesen und hätte die vielen Worte über defensives Fahren nicht auf diese Weise in Frage gestellt.
Der erste Kurstag
Im ersten Kurs lag der Fokus auf einzelnen Situationen im Strassenverkehr: Notwendigkeit einer Vollbremsung, Verhalten beim Schleudern, erhalten des Verkehrsflusses bei hoher Dichte. Ausserdem thematisierten wir die Einstellung von Kopfstützen und Sitzen und die Bremswege bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten.
Dies war wirklich interessant, besonders die erste Übung: Etwa zehn Verkehrskegel in einer Reihe, wir fuhren im Slalom darum herum, wobei wir am Ende wendeten und in der Gegenrichtung im Slalom zurückfuhren. Dies haben wir mit allen Teilnehmern gleichzeitig so lange wiederholt, bis wir alle fahren konnten, ohne zwischendurch anzuhalten. Man lernt nie aus über die Erhaltung des Verkehrsflusses...
Eher unnötig fand ich daher, mit Vollbremsungen einen Viertel des Tages und etliche Rappen Reifengummi zu verbringen. Schliesslich war die Vollbremsung bereits Gegenstand der Fahrausbildung mit dem Fahrlehrer und keineswegs Neuland. Dies war allerdings dem Veranstalter leider nicht bekannt.
Der zweite Kurstag
Den zweiten Kurstag habe ich beim TCS absolviert. Gründe waren Differenzen mit WAB4u, Fehlinformationen und die Extremform der oben genannten Unprofessionalität seitens der Partnerfahrschule. Billiger ist der TCS auch (massiv), aber das stellte ich erst dann fest.
Der Kurs war wiederum interessant, aber weit entfernt vom Optimum. Pikant war schon, dass wir eine Stunde früher Feierabend machten. Zeit, die wir alle teuer bezahlt hatten. Die Feedback-Fahrt machte mich auf mehr Fehlgewohnheiten aufmerksam, als ich gedacht hätte, und nach der Eco-Fahrt war ich tatsächlich noch einmal einen kleinen Tick sparsamer.
Ein gegenseitiges Vorstellen des Nachbars zu Beginn des Tages - "Das ist der Hans-Detlev, sein Hobby ist der Computer, sein Traumauto ein Porsche 911 und er findet Autofahren super!" - ist ein Kennenlernspiel, das wir zu Beginn einer Lagers auch gerne mit unseren acht- bis zwölf-jährigen Jungscharkindern spielen, wobei es die älteren manchmal schon doof finden.
Die Theorie war leider wirklich wischi-waschi. Was uns beispielsweise in einer Stunde über Eco-Drive beigebracht wurde, war komplett in einer Broschüre zusammengefasst, die wir auch in zwei Minuten hätten lesen können (und die restliche Zeit mit weiterem Know-How füllen). Wir arbeiteten mit Flip-Chart, und Stichwort zusammentragen, und in Gruppen, und wieder zusammen. Ich weiss, man sollte keine Freizeit in Geld umrechnen. An so einem Kurstag tut mit ein solcher Leerlauf allerdings fast schon weh. Ich wäre überzeugt, dass diese vier Fahrlehrer - jeder mit Jahrzehnten an Fahrerfahrung - noch viel mehr wissen, als sie uns erzählt haben. Komprimiertes Know-How hätte ich erwartet, und keine gemütliche Kaffeerunde, die ich auch ohne Moderation haben kann.
Die wichtigsten Informationen waren folgende (jedenfalls wurden sie immer und immer wieder wiederholt):
- Eigentlich müssen wir eher so ein bisschen selber spüren, was wir wollen, als die Informationen und Tipps zu übernehmen.
- Nie würde sich jemand erlauben, unseren persönlichen Fahrstil zu kritisieren.
- Sie hoffen, wir hätten es lustig mit ihnen.
Nun ja. Ich gspüre di au!
Fazit
Die Kurse dürfen und sollen m.E. gerne obligatorisch bleiben, und zwar für alle. Schön wäre jedoch eine bessere Ausnutzung des Tages, da der Besuch doch auch nicht ganz kostenlos ist und zwei volle Tage eine Gelegenheit wären, eine grosse Menge an Know-How mit auf den Weg zu geben. Leider bleib sie teilweise ungenutzt, aber die aktuellen Inhalte waren und sind gut und wichtig.
Leider seien die Veranstalter von Rechts wegen enorm stark in der Gestaltung der Kurse limitiert, daher seien sie auch nicht so gut, sagte mir einer der Moderatoren während der Fahrt.